



Zwischen Riga und Taschkent leben Kollegiatinnen und Kollegiaten des Theodor-Heuss-Kollegs. Sie engagieren sich ein Jahr lang in ehrenamtlich durchgeführten Projekten. Gemeinsam arbeiten, diskutieren und begeistern sie. Sie planen Workshops, pflanzen Bäume, machen Musik, reden über gesellschaftliche Probleme wie Drogenmissbrauch oder Stereotype, spielen Theater und fragen sich ? was ist Sakartvelo?
Jedes Projekt ist originell und trägt die Schrift derjenigen, die es in die eigenen Hände genommen haben. Eines haben alle Projekte gemeinsam: Sie werden ehrenamtlich durchgeführt und haben zum Ziel, durch Aktivität etwas in ihrer Gesellschaft zu bewirken.
Mit ehrenamtlichen, selbst gestalteten und zeitlich überschaubaren Projekten fördert das Theodor-Heuss-Kolleg die Motivation junger Menschen zum Engagement. Gleichzeitig qualifizieren sich Projekt-Teams in vielen Bereichen. Das Projekt ist demnach vor allem ein Ort des Selbst-Lernens und der Qualifizierung.
Zunächst soll kurz erläutert werden, was im Theodor-Heuss-Kolleg unter Projekt verstanden wird. Zunächst einmal hat ein Projekt einen klar definierten Anfang und ein klar definiertes Ende: Wenn ein Seminar durchgeführt und auch organisatorisch abgeschlossen ist, ist ein Seminarprojekt zu Ende. Das Gleiche gilt auch für eine Veranstaltungsreihe in der Hochschule oder für die Herstellung einer Zeitung: Nach einem anfangs zu bestimmenden Zeitraum muss ein Schnitt gemacht werden und die eigene Arbeit evaluiert werden. Lohnt sich ein Weitermachen? Will man statt der gewählten Projektform eine andere wählen (zum Beispiel statt einer Zeitung ein Theaterprojekt starten, weil man der Meinung ist, dem Projektziel dadurch näher zu kommen)? Oder möchte man erst einmal eine Pause machen und das Gemachte in Ruhe verarbeiten? Zu einem Projekt gehört auch die Definition von persönlichen Zielen: Wo möchte man sich weiter entwickeln? Was ist der persönliche Nutzen der ehrenamtlichen Arbeit? Und nicht zuletzt muss nach Beendigung des Projekts bilanziert werden, inwieweit die gemachten Erfahrungen zu den eigenen Lebensplanungen passen, Engagement und Lebensunterhalt miteinander verbindbar sind.
Sichtbare Qualifizierungsmöglichkeiten aus der Projektarbeit bieten sich in vielen Feldern: Zunächst ermöglichen internationale Kontakte den Blick über den eigenen Tellerrand. Man bekommt Wissen, das in keinem Lehrbuch für Projektmanagement steht. Ein eigenes Projekt durchführen heißt auch, soziale Kompetenzen und seine öffentliche Wirkung zu trainieren ? sich in Teamarbeit ausprobieren, vor einer Gruppe stehen und andere von seinem Anliegen überzeugen. Außerdem will der Umgang mit den Kernbereichen des Projektmanagements trainiert sein: Von A wie Abrechnung über K wie Kommunikation bis Z wie Zimmerbelegung lernt man immer dann am besten, wenn man selber die volle Verantwortung für sein Handeln tragen darf.
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