Datum: 25. Juli bis 8. August 2009
Ort: Ivano-Frankivsk, Ukraine
Seminarleiter: Eric Wrasse (DE), Kristina Pokorna (CZ), Ivanna Pekar (UA), Bohdan Velhan (UA)
20 Teilnehmer aus 12 Ländern trafen sich während des Sommerseminars „Stempel im Pass- Grenze im Kopf“ vom 25. Juli bis zum 8. August 2009 in den ukrainischen Karpaten zusammen.
Durch die Umgebung der Stadt Ivano-Frankivsk, wo die Leute selbst bis zum Ende nicht wissen, mit welchen staatlichen Grenzen sie sich identifizieren sollen, und durch die Überwindung der persönlichen physischen Grenze während einer Wanderung bis zur Höhe von 1748 Meter in den Karpaten haben sie verschiedene Aspekte des Themas „Grenze“ bearbeitet.
Die politische Grenze wurde durch die Materialien aus den eigenen Ländern der Teilnehmer bearbeitet (historische Landkarten, Fotos, Zeitungsartikel). Historische und aktuelle Grenzverschiebungen und Grenzkonflikte in verschiedenen Ländern wurden diskutiert. Die eigene persönliche Grenze wurde durch die Weltkarte und Familiengeschichten einander unter den Teilnehmern anvertraut und anhand persönlicher Erfahrung bearbeitet.
Der Aspekt „Grenze im Kopf“ konnte von den Teilnehmern sehr gut durch viel Kommunikation mit den Einwohnern der Stadt Ivano-Frankivsk und durch ihr Thematisieren in Diskussionen von Bereichen wie Armut-Reichtum, gesellschaftliche Schichten, Ausbildung, ethnische und sprachliche Grenzen, Männer und Frauen, Stereotype und Vorurteile gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen etc. bearbeitet werden.
An ihre körperliche Grenze konnten die Teilnehmer des Sommerseminars während der Wanderung in den ukrainischen Karpaten stoßen, wo man nicht nur auf sich selbst achten musste, sondern auch die Schwächeren neben sich unterstützen und die Naturerscheinungen akzeptieren sollte.
Nach der Wanderung und nach einer guten Auseinandersetzung mit sich selbst in der Natur kehrte die Gruppe in die Stadt Ivano-Frankivsk voll inspiriert, motiviert und bereit zu handeln! Den Drang nach Handeln haben die Teilnehmer in ihren Miniaktionen an einem der Seminartage in der Stadt realisiert!
Insgesamt wurden 5 Mini-Projekte durchgeführt, die an die breite Öffentlichkeit gerichtet waren. Für die Einwohner der Stadt wurde für kurze Zeit ein Fahrradweg gebaut, Kinderbücheraktion fand in den Buchhandlungen der Stadt statt, Pantomimetheater wurde auf der Straße gespielt, ein Reiseführer für die Touristen wurde gestaltet und eine Straßenausstellung mit Wünschen ohne Grenzen wurde auf den Bäumen der Hauptstraße aufgehängt.
Der Miniprojektetag hat noch einmal bewiesen, dass die Sprachgrenzen nur in unseren Köpfen existieren und man mit den Einheimischen auch ohne ihre Sprache zu kennen, gut klarkommen kann.
Die Miniprojekte haben die Teilnehmer zu den insgesamt 16 unterschiedlichsten Projektideen inspiriert, die sie jetzt in ihren Ländern umzusetzen vorhaben.
Und nach Hause fahren die jungen Menschen aus allen Herren Ländern mit folgenden Botschaften:
Grenze ist wie ein Fluss, bau dir eine Brücke!
Es gibt keine Grenzen, nur leere Räume dazwischen.
Grenze ist wie eine Wolke, darauf lässt es sich nicht bauen.
Grenze ist wie die Zeit auf kaputt gegangener Uhr.
Mit Grenzen ist es wie mit Elefanten, sie sind zwar nicht stur, aber trotzdem schwer zu bewegen.
Grenze ist wie ein Friseurbesuch, scharfe Scheren schaffen klare Unterschiede.
Grenzen braucht man, wie der Fisch das Fahrrad.
Die Grenze ist wie ein Bleistiftstrich, man kann sie ausradieren, aber eine leichte Spur bleibt trotzdem.
Grenzen im Kopf sind wie Schichten in der Torte.